Die Geschichte ereignete sich wahrscheinlich etwa drei bis vier Jahrzehnte nach der Landnahme, da Pinhas der Sohn Eleasars, des Sohnes Aarons noch lebte, Eleasar und Josua aber nicht mehr (Ri 20,28). Es wäre also eine Heeresgröße für ganz Israel um die 20.000 Mann zuzüglich wenige 1.000 aufgrund inzwischen erfolgten Bevölkerungswachstums zu erwarten. Diese Größenordnung erreicht man, wenn man an dieser Stelle für den Term ÄLäPh die Größe 50 annimmt. Fünfziger-Einheiten waren die kleinsten Einheiten des Heeres, was sich mit Jos 1,14 „… ihr sollt als חֲמֻשִׁים (ChaMuSchI’M = Fünfzigschaften) … hinüberziehen …“ begründen lässt. Dass hier keine Tausender-Einheiten angegeben wurden, könnte daran liegen, dass kein generalsstabsmäßig geplanter Feldzug sondern ein spontaner Aufruf vorlag und deshalb nicht alle Stämme Einheiten mit genau 1.000 Mann aufgestellt hatten.

Israels Heer bestand aus 400 ÄLäPh, d.h. (400 x 50 =) 20.000 Mann (Ri 20,17). Diese Größenordnung ist nach den bisherigen Annahmen möglich, da die elf Stämme schon bei der Landnahme (25.730 – 1.600 von Benjamin =) 24.130 Wehrfähige hatten (siehe Anlage 4, Tab. 8) und daraus ein Heer von (20.000 – 1.000 =) 19.000 Mann aufgestellt hatten (siehe 4.2.1). Bei der Landnahme waren im Durchschnitt aller Stämme rund ([25.730 - 20.000] x 100 ÷ 25.730 =) 22 % der Wehrfähigen bei den Herden zurückgeblieben. Wenn man annimmt, dass bei der Strafaktion ein ähnlich großer Anteil der Wehrfähigen zum Schutz der Familien und Herden an den Wohnorten zurückblieb, so kann man aus der Entwicklung der Heeresgröße von 19.000 auf 20.000 Mann, die einem Anstieg um ca. (1.000 x 100 ÷ 19.000 =) 5 % entspricht, auf ein gleich hohes Wachstum der Zahl der wehrfähigen Männer insgesamt schließen. 

Benjamin stellte 26 ÄLäPh, d.h. (26 x 50 =) 1.300 Mann auf. Dazu kamen 700 auserlesene Männer von Gibea, somit insgesamt 2.000 Mann. Darin waren 700 Steinschleuderer enthalten, die als besonders zielgenau beschrieben werden (Ri 20,14-16). Wenn man annimmt, dass auch bei den 1.300 Mann aus den übrigen Städten Benjamins rund 20 % bei den Herden zurückblieben, ergeben sich 1.625 Wehrfähige, mit den 700 Männern Gibeas somit 2.325 Mann. Beim zweiten Zensus wurden bei Benjamin 1.600 Wehrfähige gezählt (siehe Anlage 4, Tab. 8). Die Wehrfähigen hätten sich also um rund 45 % erhöht – eine im Vergleich mit den übrigen Stämmen sehr hohe Steigerung. Auch 700 Männer allein aus Gibea sind sehr viele bei 1.625 Wehrfähigen aller übrigen Städte Benjamins. Die Einwohnerzahl Gibeas hätte etwa (700 x 1,5 x 2 =) 2.100 Menschen betragen.1

Die Benjaminiter-Stadt Gibea lag nur eine Wegstrecke von etwa 8 km von der Kanaaniter-Stadt Gibeon entfernt (siehe Anlage 6c, blau gekennzeichnet).2 Dort und in den nahegelegenen Städten Kefira, Beerot und Kirjat-Jearim lebten Kanaaniter, die der Ausrottung entkamen, indem sie durch eine Gesandtschaft, die sich als weit entfernt lebend ausgab, einen Bund mit Israel erschlichen hatten (Jos 9,15-18). Schon am Sinai wird bei dem Verbot, einen Bund mit den Kanaanitern zu schließen, die Gefahr genannt, dass die Israeliten deren Töchter zur Frau nehmen und diese die Israeliten zur Sünde verführen könnten (2Mose 34,15-16). In den Abschlussreden Moses am Jordan wird auch ausdrücklich ein Verbot der Verschwägerung mit den Kanaanitern ausgesprochen, mit der Begründung das die kanaanitischen Ehepartner die Israeliten von Jahwe abwenden würden (5Mose 7,2-4). Wie Ri 3,5-6 berichtet, ist genau diese Befürchtung später eingetroffen – bei den Einwohnern von Gibea durch den Bundesschluss und die damit aufgehobene Feindschaft gegen die in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft lebenden Kanaaniter vielleicht etwas früher als bei den übrigen Stämmen. Die Gräueltat an der Frau des durchreisenden Leviten, der eigentlich zuerst selbst als Vergewaltigungsopfer der ruchlosen Männer von Gibea ausersehen war (Ri 20,22), zeigt, dass die Sitten der Kanaaniter auf die Einwohner Gibeas abgefärbt hatten. Denn u.a. wegen solcher sexueller Vergehen waren die Kanaaniter auszurotten (3Mose 18,22-25). Wenn aber die Einwohner Gibeas mit den benachbarten Kanaanitern verschwägert waren, könnte man folgende Schlüsse ziehen:

  • Gibea hatte die benachbarten Kanaaniter zur Hilfe herbeigerufen.
  • Die Kanaaniter waren sehr treffsicher bei der Jagd oder im Kampf mit der Steinschleuder.
  • Die Söhne der Benjaminiter von Gibea wurden mit ihren kanaanitischen Cousins unterwiesen und die Männer gingen gemeinsam auf die Jagd. Sie waren deshalb mit der Steinschleuder ebenfalls zielsicher.

Die 700 Mann Gibeas bestanden neben den Einwohnern der Stadt dann auch aus verbündeten Kanaanitern und sind mit den genannten 700 Steinschleuderern identisch. Damit wäre erklärt, warum nur Benjamin Steinschleuderer in seinem Heer hatte. Auch die große Zahl der Kämpfer Gibeas wird dadurch verständlich. Da sie nicht für den Nahkampf vorgesehen waren, werden sie nicht als Einheiten zu 50 Mann ausgedrückt. Zusammenfassend kann man festhalten, dass insgesamt 2.000 Mann aufseiten Benjamins den 20.000 der übrigen Stämme gegenüberstanden.

  • 1 Annahme: Geschlechterparität und Verhältnis Wehrfähige zu übrigen Männlichen von rund 1 : 0, 5 (siehe ‎8.2.2).

    2 Zur Entfernung vgl. William Schlegel: Satellite Bible Atlas, S. 51 Map 4-3