Die hebräische Schrift wird von rechts nach links geschrieben. Sie war ursprünglich eine reine Konsonantenschrift. Die Vokale wurden durch die mündlich überlieferte Aussprache weitergegeben. Damit waren unterschiedlich ausgesprochene Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung, die aber gleiche Konsonanten hatten, im geschriebenen Text nicht unterscheidbar. Erst etwa ab 600 n.Chr. entwickelten jüdische Schriftgelehrte, die Masoreten, mit der Punktierung ein Verfahren, mit dem die Vokale und Betonungszeichen schriftlich ergänzt werden konnten, um auch die korrekte Überlieferung der Aussprache sicherzustellen.1 Als ursprünglicher von Gott inspirierter Text galten daher nur die Konsonanten. Bei der traditionellen deutschen Umschrift werden daher nur die Konsonanten wiedergegeben. Dem folgt auch Zerbst, der für אלף nur die Konsonanten (‘lp) angibt. Da in den nachfolgenden Untersuchungen verschiedener hebräischer Wörter auch die Vokalisation von Interesse ist, verwende ich in dieser Arbeit nicht die traditionelle Umschrift der hebräischen Konsonanten, sondern immer die hebräischen Schriftzeichen mit Punktierung.
Um die Deutungsprobleme auch für Leser ohne Hebräisch-Kenntnisse nachvollziehbar zu machen, gebe ich zusätzlich in Klammern eine von F.H. Baader entwickelte deutsche Umschrift2 an, die auch die Vokale berücksichtigt (siehe Anlage 1a). Dabei stehen Großbuchstaben für hebräische Konsonanten. Wenn Vokale im AT-Text durch Konsonanten (Matres Lektionis) dargestellt werden, stehen ebenfalls Großbuchstaben, z.B. ein großes „I“ bei Darstellung des Vokals „i“ durch den Konsonanten „י (JOD)“ bzw. „U“ oder „O“ für „ ו (WaW)“ (siehe auch 6.2.1 mit Fußnote 2 und 7.3.1.2 mit Fußnote 1). Die nur durch Punktierung dargestellten Vokale werden als Kleinbuchstaben wiedergegeben.3 Für das hebräische Wort für „Tausend“, das אֶלֶף lautet, ergibt sich damit die Umschrift ÄLäPh.4 Im hebräischen Grundtext werden die Zahl 2.000 durch die Dualform אַלְפַּיִם (ALPaJiM) und die Zahlen von 3.000 bis 10.000 i.d.R. durch die Mehrzahlform אֲלָפִים (ALaPhIM) mit dem entsprechenden Zahlwort von „drei“ bis „zehn“ ausgedrückt. Die beiden Formen sind konsonantengleich. Daneben kommt selten auch der Plural in der Constructus-Form אַלְפֵי(ALPHeJ) vor. Erst ab 11.000 wird wie für 1.000 die Singularform אֶלֶף (ÄLäPh) mit entsprechenden Zahlwörtern verwendet. Aus Vereinfachungsgründen verwende ich im folgenden Text für alle diese Formen i.d.R. die Singularform und verzichte darauf, jedes Mal die hebräischen Schriftzeichen anzugeben. Stattdessen verwende ich i.d.R. nur die Umschrift „ÄLäPh“ in Fettdruck. Bei Zahlen im Tausenderbereich, die im hebräischen Grundtext aus verschiedenen Zahlwörtern zusammengesetzt wurden, verwende ich für die übrigen Zahlwörter die uns vertrauten arabischen Ziffern, z.B. 2 ÄLäPh 500 (= 2.500). Nachdem nun geklärt ist, welches hebräische Wort mit „ÄLäPh“ gemeint ist, stelle ich im nächsten Abschnitt drei Grundannahmen zur Deutung dieses Wortes vor.
1 Vgl. Stichwort „Masora, Masoreten“ in: Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet, Url: https://www.bibelwissenschaft.de/startseite/wissenschaftliche-bibelausgaben/biblia-hebraica/masora/ (Aufruf: 21.08.2019)
2 Vgl. F.-H. Baader: DIE HEBRÄISCHEN SCHRIFTZEICHEN UND IHRE UMSCHRIFT. In: Die Geschriebene des Alten Bundes. DaBhaR-Übersetzung aus dem Masoretischen Text. 4., überarb. Gesamtausgabe. Schömberg: Selbstverlag 2007, S. 1065
3 Eine Unterscheidung zwischen langen, kurzen und flüchtigen Vokalen bzw. eine Darstellung des Dagesch forte erfolgen nicht. Das flüchtige sehr kurz auszusprechende Schwa Mobile wird – für Hebräisch-Kenner vielleicht etwas ungewohnt – mit „ö“ dargestellt. Das „א (ALäPh)“ wird, wenn es nicht mit einem Vokal versehen ist als „°“ dargestellt, bei Punktierung mit einem Vokal wie folgt: A, Ä, E, I̊, O̊, Ů. Die Buchstaben „I“, „O“ und „U“ werden mit einem ALäPh-Kringel gekennzeichnet, damit sie von „י (JOD)“ = „I“ bzw. „ ו (WaW)“ = „O“ oder „U“ unterschieden werden können. Das „ע (ÃJiN)“ wird, wenn es nicht mit einem Vokal versehen ist als „~“ dargestellt, bei Punktierung mit einem Vokal wie folgt: Ã, Ẽ, Ĩ, Õ, U͂, Ä͂. Zur Darstellung des „א (ALäPh)“ und des „ע (ÃJiN)“ siehe auch Anlage 1a unten.
4 Die Konsonanten „א“ (ALäPh) und „ל“ (LaMäD) sind hier jeweils mit „ֶ “ (ä) punktiert. Das kleine „h“ hinter dem „P“ deutet die Aussprache des Konsonanten „פ“ bzw. am Wortende „ף“ (Pe°) an dieser Stelle als „F“ an.