In den beiden Berichten über die Volkszählung unter David in 2. Samuel und 1. Chronik werden für die über 20-jährigen wehrfähigen Männer gravierend unterschiedliche Zahlen angegeben:

1Chr 21,5b … Und zwar gab es in ganz Israel 1 100 000 Mann, die das Schwert zogen, und in Juda 470 000 Mann, die das Schwert zogen.

2Sam 24,9b … Und zwar gab es in Israel 800 000 Wehrfähige, die das Schwert zogen, und die Männer von Juda waren 500 000 Mann.

Die hier genannten konventionellen Zahlen von 1.570.000 Mann bzw. 1.300.000 Mann für die zwölf Stämme sind außerdem mehr als doppelt bzw. zweieinhalbmal so groß wie die konventionell rund 600.000 Mann bei den beiden Musterungen unter Mose. Bei diesen hatte ich ausführlich begründet, warum eine Neubewertung, die zu einer wesentlichen Reduzierung der Zahlen führt, erforderlich ist. Diese Neubewertung führte zu Wehrfähigen-Zahlen von 23.550 Mann bei der Musterung am Sinai (siehe ‎3.1 sowie Anlage 3a, Tab. 4) und zu 25.730 Mann bei der Musterung 39 Jahre später im Ostjordanland (siehe ‎3.2 sowie Anlage 4, Tab. 8). Von einer ähnlichen Größenordnung kann man auch bei den Heereszahlen zu Beginn von Sauls Regierungszeit ausgehen (siehe ‎9.2.1). Auch wenn man nach den Siegen Sauls über alle Feinde Israels und der dadurch beendeten Unterdrückung der Israeliten sowie dem weiteren Ausbau der Herrschaft Israels über umliegende Länder unter David von einem starken Bevölkerungswachstum ausgehen kann, sind siebenstellige Mann-Zahlen für die zwölf Stämme bei der Volkszählung Davids nicht vorstellbar. Dies zeige ich ausführlicher in Abschnitt ‎9.5.8.

Auch diese Heereszahlen müssen also neu bewertet werden. Dies ist ohne die Annahme eines Revisionsfehlers einfach durch eine andere Bewertung der in den uns heute vorliegenden Grundtexten enthaltenen ÄLäPh möglich. Es liegt nahe, hier wie bei Saul für ÄLäPh die Bedeutung „Heereseinheit zu 50 Mann“ anzunehmen. Dann ergeben sich folgende Zahlen: 

Wehrfähige

1Chr 21,5

2Sam 24,9

Einheiten zu 50

Männer > 20 J.

Einheiten zu 50

Männer > 20 J.

aus Israel

1.100

55.000

800

40.000

aus Juda

470

23.500

500

25.000

gesamt

1.570

78.500

1.300

65.000

 

Die Wehrfähigen-Zahlen von 65.000 bzw. 78.500 Mann gegen Ende der Regierungszeit Davids bewegen sich im Vergleich zu den oben genannten Zahlen bei Mose und den ähnlich großen Zahlen bei Saul an der Obergrenze des Vorstellbaren. Die Annahme größerer Einheiten kann daher ausgeschlossen werden. Von dieser Deutung der Zahlen werde ich deshalb bei der weiteren Untersuchung ausgehen. Ziel dieser Untersuchung ist es, die unterschiedlichen Ergebniszahlen zu harmonisieren und die angenommene Neubewertung weiter zu verifizieren. In diesem Zusammenhang ist auch zu prüfen, ob bei den Opferzahlen, die in beiden Berichten übereinstimmend mit „70 ÄLäPh Mann“ angegeben und konventionell als 70.000 Mann gedeutet werden, ebenfalls eine Neubewertung erfolgen muss. Daraus ergeben sich folgende Fragen:

  • Weshalb sind die Zahlen der Wehrfähigen bei der Volkszählung Davids so viel höher als die in Abschnitt ‎9.2.1 ermittelten Heereszahlen aus der Zeit Sauls?
  • Warum weichen die Zahlen der beiden Volkszählungsberichte so stark voneinander ab?
  • Wie sind die fehlenden Benjaminiter einzuordnen?
  • Woher wissen die Verfasser der beiden Berichte, wie viele Todesopfer die Seuche in ganz Israel gefordert hat?
  • Handelt es sich tatsächlich um 70.000 Tote oder könnten auch hier Einheiten gemeint sein?
  • Bei Seuchen sind Kinder und alte Menschen besonders gefährdet. Sind in der Zahl der Toten auch männliche Kinder und Greise enthalten? Könnten auch Frauen enthalten sein?
  • Die Städte der Leviten lagen verstreut in ganz Israel. Sind auch Leviten in den Opferzahlen enthalten?
  • Wenn in der angegebenen Zahl der Seuchenopfer nicht nur Wehrfähige enthalten sind, stellt sich die Frage nach der Altersstruktur der Israeliten zu dieser Zeit und dem daraus resultierenden Umrechnungsfaktor von den Wehrfähigen auf die gesamte männliche Bevölkerung. Damit verbunden ist die Frage nach dem Höchstalter für die Wehrpflicht.

Diesen Fragen werde ich im Folgenden nachgehen. Ich beginne mit der vierten Frage.