In 2Sam 24,1-9 wird über eine von David gegen Ende seiner Regierungszeit durchgeführte Musterung der wehrfähigen Männer berichtet. Ich zitiere 2Sam 24,2+8:
2 Da sagte der König zu Joab, dem Heerobersten, der bei ihm war: Zieh doch umher in allen Stämmen Israels, von Dan bis Beerscheba! Ihr sollt das ⟨Kriegs⟩volk mustern, damit ich die Zahl des Volkes kenne! … 8 Und sie zogen im ganzen Land umher und kamen am Ende von neun Monaten und zwanzig Tagen nach Jerusalem ⟨zurück⟩.
David beauftragte seinen Heerführer Joab, ganz Israel von Dan im Norden bis Beerscheba im Süden zu mustern, weil er wissen wollte, über wie viele wehrfähige Männer er verfügte. Dies diente vor allem der Demonstration seiner Macht und der Befriedigung seines Stolzes. Wie die späteren Gewissensbisse Davids und das folgende Gericht zeigen, war diese Motivation in den Augen Jahwes verwerflich. Joab erkannte dies und warnte David vor der Durchführung der Zählung, musste aber den Befehl des Königs befolgen (2Sam 24,3-4). Er begann mit der Musterung im Süden des Ostjordanlandes an der Grenze zu Moab und zog durch das Ostjordanland nach Norden bis nach Dan und in die Gegend von Sidon und Tyrus mit den Städten der Hiwiter und Kanaaniter. Dann zog er westlich des Jordans bis ins südliche Juda nach Beerscheba, ehe er wieder nach Jerusalem zurückkehrte und David das Ergebnis der Musterung mitteilte (2Sam 24,5-9a). Aus der langen Dauer der Zählung von neun Monaten und 20 Tagen kann geschlossen werden, dass Joab, wie einst Mose, Namenslisten der Gemusterten erstellte (siehe 6.1).
Ein Parallelbericht über die Volkszählung findet sich in 1Chr 21,1-6. Dort werden die Beauftragung Joabs und seine Warnung vor der Zählung im Wesentlichen gleich geschildert (1Chr 21,2-3), die Durchführung der Musterung hingegen nur sehr knapp: „Joab zog durch ganz Israel“ (1Chr 21,4). Es wird allerdings ergänzt, dass er Benjamin und die Leviten nicht zählte, weil ihm der Auftrag des Königs ein Gräuel war (1Chr 21,6). Dass er die Zählung nicht zu Ende führte, wird auch in 1Chr 27,24 bestätigt.
Über die Strafe für die von David zur Befriedigung seines Stolzes angeordnete Volkszählung wird in 2Sam 24,13-15 und 1Chr 21,11-14 sinngemäß gleich berichtet. David muss aus drei vom Propheten Gad zur Auswahl gestellten Gerichten selbst eines auswählen und entscheidet sich für eine dreitägige Seuche, der 70.000 Mann zum Opfer fallen. Die Zahl der Opfer ist in beiden Berichten identisch (2Sam 24,15; 1Chr 21,14), die Ergebniszahlen der Musterung dagegen deutlich unterschiedlich. Die Musterungsergebnisse schauen wir uns im nächsten Abschnitt an.