In Abschnitt ‎9.5.5.1 kam ich zu dem Ergebnis, dass die ÄLäPh in der Anzahl der über 30-jährigen Leviten in 1Chr 23,3 nicht als Tausender gedeutet werden können, weil sich sonst im Vergleich zur Anzahl der Wehrfähigen eine viel zu große Zahl ergibt. Um zu klären, wie sie stattdessen zu deuten sind, betrachten wir nun die Dienstaufteilung der Leviten. Ausgehend von der Gesamtzahl von 38 ÄLäPh diensttuenden Leviten nahm David eine grobe Einteilung in vier Dienstbereiche vor. Die den einzelnen Dienstbereichen zugeordnete Anzahl von Leviten findet sich in 1Chr 23,4-5:

4 ⟨Und David sagte:⟩ Von diesen sind 24 000 für die Aufsicht über die Arbeit am Haus des HERRN ⟨bestimmt,⟩ und 6 000 ⟨sollen⟩ Aufseher1 und Richter ⟨sein⟩ 5 und 4 000 Torhüter und 4 000, die den HERRN loben mit den Instrumenten, die ich zum Loben gemacht habe.

1 w. Schreiber; d. i. eine Beamtenbezeichnung

Die hier angegebenen 24 ÄLäPh Leviten des ersten Dienstbereichs, die für die Aufsicht über die Arbeit am Haus des Herrn bestimmt waren, entsprechen den in 1Chr 24,1-19 genannten 24 Abteilungen von Priestern. Auch bei diesen 24 Dienstgruppen der Leviten wurde die Reihenfolge per Losentscheid wie bei den Priestern festgelegt (1Chr 24,31). Da auch die Leviten in verschiedenen Städten über das Siedlungsgebiet Israels verteilt lebten, ist es naheliegend, dass auch sie sich bei ihrem Dienst abwechselten. Bei der „Arbeit am Haus des Herrn“ handelte es sich wahrscheinlich um den kultischen Dienst der Leviten, d.h. um die Unterstützung der Priester beim Opferdienst. „Beaufsichtigt“ wurden hier die Opfernden und die von ihnen herbeigebrachten Opfertiere sowie die Geräte, die für die Darbringung der Tier-, Speis- und Trankopfer notwendig waren. Wie generell bei dem Verhältnis von Untergebenen zu Führungskräften kann auch hier davon ausgegangen werden, dass die Anzahl der Leviten deutlich größer war als die der Priester. Da die Abteilungen der Leviten – anders als die der Priester – ausdrücklich mit „ÄLäPh“ bezeichnet wurden, drängt sich eine Größe von 50 Mann geradezu auf. Das Verhältnis von Priestern zu Leviten hätte dann 10 zu 50 betragen. Diese relativ niedrige Leitungsspanne von 1 : 5 passt sehr gut zu den Aufgaben der Priester, die dafür Sorge tragen mussten, dass die Leviten die sehr detaillierten Opfervorschriften sorgfältig beachteten. Aus 50 Leviten je Schicht und 24 Schichten ergeben sich insgesamt 1.200 Leviten für den ersten Dienstbereich.

Wenn man für den ersten Dienstbereich annimmt, dass die Zahl der dafür zuständigen Leviten in 50er-Einheiten angegeben wurde, dann gilt das auch für die übrigen drei Dienstbereiche. Betrachten wir als Nächstes den vierten Dienstbereich derjenigen Leviten, „die den Herrn loben mit Instrumenten“. Hierfür werden von David zunächst 4 ÄLäPh vorgesehen. Dies entspricht 200 Mann. Wie wir jedoch im vorausgehenden Abschnitt schon gesehen haben, wurde dieser Dienstbereich bei der späteren konkreten Zuordnung ebenfalls in 24 Dienstgruppen eingeteilt. Dafür wurden bei zwölf Musikern je Gruppe 288 Leviten benötigt (1Chr 25,7-31). Im Gegenzug wurden bei der dritten Dienstgruppe der Torhüter weniger Leviten eingeteilt. Anstelle der ursprünglich vorgesehenen (4 x 50 =) 200 Männer wurden drei Sippen mit (62+18+13 =) 93 Männern mit dem Wachdienst an den Toren beauftragt (1Chr 26,8-12). Wahrscheinlich lebten diese Sippen in der Nähe von Jerusalem, sodass sie ihren Dienst das ganze Jahr über ausüben konnten. Für die an zweiter Stelle genannte Dienstgruppe der Aufseher und Richter blieben so statt der vorgesehenen 300 noch (1.900 – 1.200 – 288 – 93 =) 319 Mann übrig. Mit den Aufsehern waren wohl die in 1Chr 26,20-29 genannten Leviten gemeint, die über die Schätze des Hauses Gottes gesetzt waren, also die spätere Tempelverwaltung. Weil bei diesen Aufgaben eine Aufteilung auf 24 Schichten nicht sinnvoll ist, wurden damit bestimmte Sippen betraut, die wahrscheinlich wie die Torhüter in Jerusalem und Umgebung wohnten. Mit den in 1Chr 23,4 genannten Richtern könnte der oberste Gerichtshof gemeint sein, der gemeinsam mit dem Hohepriester über grundsätzliche religiöse Fragen zu urteilen hatte. Er bestand wohl schon damals wie zur Zeit Jesu aus 71 Richtern, weil diese Richter als Nachfolger von Mose und den ihn unterstützenden 70 Ältesten galten. Dieser oberste Gerichtshof musste nicht ständig tagen, sondern konnte in regelmäßigen Abständen zusammentreten und dann die in der Zwischenzeit anhängig gewordenen Fälle abarbeiten. Als Termine boten sich dafür die drei Wallfahrtsfeste an, bei denen sich nach dem Gesetz alle Israeliten in Jerusalem versammeln mussten. So war auch bei den obersten Richtern keine Einteilung in Schichten erforderlich. Die vorläufige und die konkrete Einteilung der hier genannten 30- bis 50-jährigen Leviten sind in der folgenden Tabelle einander gegenübergestellt:

Dienstbereich

Grobe Einteilung durch David

Spätere konkrete Einteilung

(1Chr 23,4-5)

Einheiten zu 50 Mann

Anzahl Männer über 30 J.

Anzahl Männer über 30 J.

Bibelstelle / Erläuterung

Kultischer Dienst (Aufsicht über Arbeit am Haus des Herrn)

24

1.200

1.200

Zuordnung von je 1 Einheit zu den 24 Abteilungen der Priester (1Chr 24,20-31)

Musiker (Lob des Herrn mit

Instrumenten)

4

200

288

Einteilung in 24 Gruppen à 12 Musiker (1Chr 25,6-31)

Torhüter

4

200

93

Drei Sippen stellen Torhüter: 62+18+13 = 93 Mann

(1Chr 26,8-12)

Aufseher (Tempeladministration mit Aufsicht über die Schätze) und Richter (oberster Gerichtshof mit 71 Richtern)

6

300

319

319 entspricht der Differenz zur angegebenen Gesamtsumme der Leviten; davon 71 oberste Richter und 248 Mitarbeiter der Tempeladministration

Summe

38

1.900

1.900

 

 

Die spätere zahlenmäßige Zuordnung zu den Dienstbereichen der Musikanten und Torhüter von (288 + 93 =) 381 Mann konkretisiert die vorherige grobe Einteilung Davids von zweimal (4 x 50 =) 200, also zusammen 400 Mann. Wären hier die ÄLäPh bei der groben Einteilung durch David als Tausender zu verstehen, würden sich (2 x 4.000 =) 8.000 Mann ergeben. Das passt nicht zu der späteren konkreten Einteilung von 381 Mann. Für die Aufseher und Richter, für die bei der konkreten Einteilung keine genauen Zahlenangaben gemacht werden, kann die Differenz zu 1.900 Mann angenommen werden, da diese mit 319 Mann nur geringfügig von der von David vorgegebenen Zahl von 300 Mann abweicht. Somit kann für die Zeit nach der Seuche mit rund 1.900 für den Tempeldienst eingeteilten Leviten im Alter von 30 bis 50 Jahren weitergerechnet werden.

Damit habe ich gezeigt, dass die Annahme von 50er-Einheiten für die ÄLäPh in den Zahlenangaben der diensttuenden Leviten im Vergleich zu weiteren Kontextangaben zu plausiblen Ergebnissen führt. Dadurch wird einerseits die Schlussfolgerung aus dem in Abschnitt ‎9.5.5.1 durchgeführten Größenvergleich mit den zwölf Stämmen bestätigt, dass „ÄLäPh“ in diesem Fall nicht die Bedeutung 1.000 haben kann. Andererseits kann auch die Annahme ausgeschlossen werden, dass die große ÄLäPh-Angabe durch eine bei einer Textrevision versehentlich erfolgte Zusammenziehung von angegebenen ALuPh (Sippenoberhäuptern) und ÄLäPh im Sinne von „Tausend“ verursacht wurde, wie es bei der Zählung durch Mose der Fall war. Wenn man nämlich annehmen würde, dass es sich bei den 24 ÄLäPh ursprünglich um die 24 אַלֻּף (ALuPh = Anführer; siehe ‎7.3.1.2) der 24 Dienstgruppen der Leviten handelte, die die Priester beim Opferdienst unterstützten, müssten die Untergebenen dieser Anführer in den übrigen drei Dienstgruppen enthalten sein. Dies passt jedoch weder zu der Bezeichnung dieser drei Dienstgruppen noch zu deren Größe (unabhängig davon, ob als 50er-Einheit oder als Tausender gedeutet). Sehr gut passt hingegen eine Größe von 50 Mann für jede der 24 Schichtgruppen, die die zehn Priester jeder Schichtgruppe beim eigentlichen kultischen Dienst unterstützten.