Als das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten am Sinai lagerte, wurde Mose von Jahwe für 40 Tage auf den Berg gerufen. Dort erhielt er neben den Anweisungen für den Bau der Stiftshütte auch den Auftrag seinen Bruder Aaron und dessen Söhne zu Priestern zu weihen (2Mose 28,1). Nur deren Nachkommen wurden für den Dienst im Heiligtum zugelassen. Entsprechend teilte David die zu seiner Zeit lebenden Nachkommen Aarons für den Priesterdienst im Tempel ein. Dazu zitiere ich 1Chr 24,1-6:

1 Auch die Söhne Aaron hatten ihre Abteilungen: Die Söhne Aaron: Nadab und Abihu, Eleasar und Itamar. 2 Und Nadab und Abihu starben vor ihrem Vater, und sie hatten keine Söhne; und Eleasar und Itamar übten den Priesterdienst aus. 3 Und David teilte sie gemeinsam mit Zadok von den Söhnen Eleasars und Ahimelech von den Söhnen Itamars nach ihrem Amt in ihren Dienst ein. 4 Und die Söhne Eleasars wurden in der Gesamtzahl der Männer zahlreicher befunden als die Söhne Itamars. Und sie teilten sie ⟨so⟩ ein: Von den Söhnen Eleasars sechzehn Häupter für die Vaterhäuser und von den Söhnen Itamars acht Häupter für ihre Vaterhäuser. 5 Und zwar teilten sie diese wie jene durch Lose ein, denn die Obersten des Heiligtums, die Obersten vor Gott, waren aus den Söhnen Eleasars und aus den Söhnen Itamars. 6 Und der Schreiber Schemaja, der Sohn Netanels, von Levi, schrieb sie auf in Gegenwart des Königs und der Obersten und des Priesters Zadok und Ahimelechs, des Sohnes Abjatars, [M.K.: Ahimelechs Sohn Abjatar] und der Familienoberhäupter, der Priester und der Leviten. Je ein Vaterhaus wurde ausgelost für Eleasar, und je eins wurde ausgelost für Itamar.

Die Nachkommen Aarons waren nach den beiden überlebenden Söhnen Aarons in zwei Sippen eingeteilt. Die Nachkommen des älteren Bruders Eleasar hatten die ersten neun Hohepriester gestellt, ehe Eli aus den Nachkommen Itamars das Amt des Hohepriesters übernahm – vermutlich, weil der Sohn seines Vorgängers Ahitub bei dessen Tod noch zu jung für die Amtsübernahme war. Auf Eli folgten als Hohepriester nacheinander sein Enkel Ahitub, dessen Sohn Ahija und dessen Bruder Ahimelech. Letzteren ließ Saul wegen angeblicher Unterstützung Davids töten (siehe ‎9.1.2.6). Danach setzte Saul mit Zadok wieder einen Hohepriester der Eleasar-Linie ein. Dieser lebte am Ende von Davids Regierungszeit noch und wirkte als Oberhaupt seiner Sippe bei der Diensteinteilung der Priester für den Tempel mit. Für die Sippe Itamar wirkte deren Sippenoberhaupt Abjatar, der Sohn des vorherigen Hohepriesters Ahimelech, bei der Diensteinteilung mit. Ahimelech selbst war zu diesem Zeitpunkt schon seit mehr als 40 Jahren tot. Sein einziger überlebender Sohn Abjatar hatte sich David auf dessen Flucht vor Saul angeschlossen. Nach seiner eigenen Einsetzung als König setzte David Abjatar, der eigentlich der rechtmäßige Nachfolger seines Vaters gewesen wäre, neben Zadok als zweiten Hohepriester ein. Abjatar wird – vor allem wenn seine Legitimität als Hohepriester neben dem vor ihm eingesetzten Zadok betont werden soll – mehrfach als „Ahimelech“ (siehe oben Vers 2 und 1Chr 24,31) oder „Ahimelechs Sohn Abjatar“ (siehe oben Vers 6 und 2Sam 8,17) bezeichnet.1 Abjatars Rolle als Oberhaupt der Sippe Itamar bestätigt außerdem, dass sein Ur-Urgroßvater Eli (siehe ‎9.1.2.6) ebenfalls ein Nachkomme Itamars, des jüngeren Sohnes Aarons, war.

Die Priester wurden in 24 Abteilungen eingeteilt, die sich beim Dienst am Heiligtum abwechselten, sodass jeder Priester nur alle 24 Wochen Dienst leisten musste. Nur bei den drei Wallfahrtsfesten, wenn viele Israeliten nach Jerusalem kamen, mussten alle 24 Dienstgruppen gleichzeitig antreten. Die Einteilung der Priester in diese Abteilungen folgte ihrer Sippenzugehörigkeit. Entsprechend der Größe ihrer Sippen wurden 16 Häupter aus der Sippe der Eleasar-Nachkommen und acht Häupter aus der Sippe der Itamar-Nachkommen per Losentscheid als Anführer dieser Abteilungen eingesetzt. Die 24 Abteilungen der Priester müssen aber – analog zu den immer genau zwölf Mann je Gruppe bei den Musikern (1Chr 25,6-31) – entsprechend ihren Dienstaufgaben gleich groß gewesen sein. Bei den Musikern wird jeweils der Name des durch Los bestimmten Hauptes und „seine Söhne und seine Brüder, 12“ angegeben. Es wäre völlig unrealistisch anzunehmen, dass es unter den Leviten 24 Familien gab, die jeweils genau zwölf männliche Erwachsene umfassten, die zudem alle besonders musikalisch begabt waren. Hier muss man den Begriff „Söhne“ deshalb im weiteren Sinne als jüngere Sippenangehörige und den Begriff „Brüder“ als Sippenangehörige der gleichen Generation deuten – wie bei den Verwandtschaftsangaben bei Kaleb und dem ersten Richter Otniel (siehe 9.1.2.5 Fußnote 1) Entsprechend waren auch den 24 Häuptern bei den Priestern jeweils gleich viele Priester aus ihrer Sippe zugeordnet.

Die Anzahl der Priester je Dienstgruppe ist im Bibeltext nicht angegeben. Aber aus der Tatsache, dass die Sippe der Nachkommen Itamars nur halb so groß war, wie die Sippe der Nachkommen seines Bruders Eleasar lässt sich in Verbindung mit den Opferzahlen beim Massaker Sauls an den Priestern von Nob eine ungefähre Zahl abschätzen. Dazu zitiere ich 1Sam 22,11+18-19:

11 Da sandte der König hin und ließ den Priester Ahimelech, den Sohn Ahitubs, rufen sowie das ganze Haus seines Vaters, alle Priester in Nob. Und sie kamen alle zum König. […] 18 Da sprach der König zu Doëg: Tritt du heran und mache die Priester nieder! Und Doëg, der Edomiter, trat heran, und er machte die Priester nieder, und er tötete an diesem Tag 85 Mann, die das leinene Efod trugen. 19 Und Nob, die Stadt der Priester, schlug er mit der Schärfe des Schwertes, Mann und Frau, Kind und Säugling, Rind und Esel und Schafe, mit der Schärfe des Schwertes.

Dieses Massaker fand unmittelbar nach Davids Flucht vor Saul, also etwa vier Jahre vor dessen Tod, statt. Die Einteilung der Priester und Leviten für den Tempeldienst erfolgte in den letzten beiden Regierungsjahren Davids. Seit dem Massaker waren somit etwa 42 Jahre vergangen (siehe ‎9.2.2.3). Der Hohepriester Ahimelech war ein Urenkel Elis, der aus den Nachkommen Itamars stammte. Da zu seinem Vaterhaus 85 männliche Priester gehörten, die schon den Priesterschurz trugen, dürfte dieses Vaterhaus auf einen mehrere Generationen zurückliegenden Vorfahren zurückgereicht haben und zumindest alle männlichen Nachkommen Elis, wahrscheinlich sogar alle Nachkommen von dessen Großvater oder Urgroßvater, umfasst haben. Weil auch alle Frauen und Kinder der Priesterstadt Nob mit Ausnahme des zu David geflohenen Abjatar getötet wurden, konnte sich die Sippe Itamars in nur 42 Jahren von diesen Verlusten nicht erholen. Sie war deshalb nur halb so groß wie die Sippe Eleasars. Man könnte also – wenn man eventuell unterschiedliche Vermehrungsraten bei den beiden Sippen außer Acht lässt – vereinfachend annehmen, dass die 85 getöteten Priester ungefähr der Hälfte der Sippe entsprachen. Die Restsippe Itamars hätte dann noch etwa 85 Männer und die doppelt so große Sippe Eleasars etwa 170 Männer umfasst. Beide Sippen zusammen hätten dann 255 Männer gehabt. Teilt man diese Zahl durch 24, so ergibt sich eine Anzahl von 10,6 Priestern pro Abteilung.

Ich schätze die Größe der 24 Priesterabteilungen bei ihrer erstmaligen Einteilung durch David deshalb auf jeweils zehn Mann. Dies dürfte auch in dem gegenüber der Stiftshütte deutlich größeren Tempel, dessen Heiligtum nur die Priester betreten durften, für die dort auszuführenden Aufgaben ausgereicht haben. Zu ihren Aufgaben zählten das tägliche Räuchern auf dem Räucheraltar, die tägliche Reinigung und Befüllung der je sieben Öllampen auf den nun zehn Leuchtern, die Vorbereitung der Trank- und Speisopfer im Zusammenhang mit den morgendlichen und abendlichen Tieropfern sowie das wöchentliche Auflegen der Schaubrote. Bei der Schlachtung der Tiere für das tägliche Morgen- und Abendopfer sowie weiterer Opfertiere von Tempelbesuchern, die alle auf dem Brandopferaltar im Vorhof des Tempels dargebracht wurden, assistierten die Leviten. Bei den drei Wallfahrtsfesten, wenn viele Israeliten zum Tempel kamen, um ihre Opfer darzubringen, mussten alle 240 Priester gleichzeitig Dienst tun.

Für den Priesterdienst wird im Alten Testament keine Altersgrenze angegeben. Zum Zeitpunkt der Einweihung der Stiftshütte, knapp ein Jahr nach dem Exodus, war der erste Hohepriester Aaron 84 Jahre alt (2Mose 7,7). Er blieb bis zu seinem Tod im Alter von 123 Jahren kurz vor Ende der Wüstenwanderung im Amt (4Mose 20,23-28). Seine vier Söhne waren bei ihrer Einsetzung alle noch kinderlos, was darauf schließen lässt, dass sie entweder noch nicht oder erst seit Kurzem verheiratet waren. Sie waren somit wohl noch relativ jung. Die beiden ältesten Söhne starben kurz darauf, weil sie die Vorschriften für das Räucheropfer im Heiligtum missachtet hatten (3Mose 10,1-2). Daraufhin wurden Aaron und die beiden übrigen Söhne von Jahwe selbst sowie von Mose nochmals detailliert unterwiesen, wie sie sich zu verhalten hatten (3Mose 10,3-20). Dabei wurde unter anderem festgelegt, dass die Söhne und Töchter der Priester schon im Kindesalter an einer reinen Stätte von dem Anteil der Priester am Fleisch der Opfertiere essen durften. Dies galt für die Töchter so lange bis sie wegen ihrer Heirat das Haus ihres Vaters verließen. So wurden die Priester von Kindesbeinen an mit der Heiligkeit der Opferhandlungen vertraut gemacht. Ich gehe daher davon aus, dass die Söhne eines Priesters mit Erreichen des Wehrfähigkeitsalters – also mit 20 Jahren – in den Priesterdienst eingeführt wurden. Ungefähr so alt dürfte der jüngste Sohn Aarons bei seiner Einsetzung als Priester gewesen sein. Dafür, dass dieses Eintrittsalter auch noch zur Zeit Davids galt, spricht die Tatsache, dass David später das frühestmögliche Eintrittsalter für den Dienst im Tempel bei den Leviten ebenfalls auf 20 Jahre herabgesetzt hat. Ich zitiere dazu 1Chr 23,27-28:

27 denn nach den letzten Worten Davids ist das die Zählung der Söhne Levi von zwanzig Jahren an und darüber –, 28 denn ihr Platz ist an der Seite der Söhne Aaron zum Dienst am Haus des HERRN hinsichtlich der Vorhöfe und der Zellen und zur Reinigung alles Heiligen und hinsichtlich dessen, was im Dienst am Haus Gottes zu tun ist

David erwähnt hier eine weitere Zählung der Leviten, nun schon ab 20 Jahren, und begründet diese mit den umfangreicheren Aufgaben im Tempel, der im Gegensatz zur Stiftshütte über Nebengebäude und größere Vorhöfe verfügte. Diese jüngeren Leviten durften wahrscheinlich nicht am kultischen Dienst am Brandopferaltar mitwirken, sondern lediglich bei den hier erwähnten Reinigungsarbeiten oder beim Lob Jahwes mit Musikinstrumenten. Dafür wurden besonders musikalisch begabte Leviten benötigt, die ihr Talent schon ab diesem Alter für den Tempel einsetzen konnten. Wie ich im Abschnitt ‎9.5.5.4 zeigen werde, wurden hier auch nicht alle über 20-Jährigen zum Tempeldienst herangezogen, weil so viele Leviten dafür gar nicht benötigt wurden. Zur Altersobergrenze wird auch hier keine Aussage getroffen. Aus der Beschreibung des Massakers unter Saul kann jedoch geschlossen werden, dass die einfachen Priester – anders als der Hohepriester – nicht bis an ihr Lebensende Dienst im Tempel leisteten. Dies ist im Zitat oben daran erkennbar, dass es bei dem Massaker 85 Priester gab, die das leinene Efod, also das Priestergewand, trugen, während daneben in der Priesterstadt Nob weitere getötete Männer erwähnt werden. Dies waren wahrscheinlich ältere, vielleicht schon gebrechliche Männer, die das Efod nicht mehr trugen, weil sie aus dem Priesterdienst ausgeschieden waren. Eine weitere Aussage über einen schon älteren Angehörigen einer Priestersippe findet sich in Lk 1,5+7+13:

5 Es war in den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa, ein Priester mit Namen Zacharias, aus der Abteilung des Abija; und seine Frau war aus den Töchtern Aarons und ihr Name Elisabeth.7 Und sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war; und beide waren in ihren Tagen weit vorgerückt.13 Der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Denn dein Flehen ist erhört, und Elisabeth, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Johannes nennen.

Hier wird über Zacharias und Elisabeth, die Eltern Johannes des Täufers, ausgesagt, dass sie „in ihren Tagen weit vorgerückt“ waren. Daraus könnte man schließen, dass sie ein Alter erreicht hatten, in dem andere schon im Ruhestand waren, also deutlich jenseits von 60 Jahren. Durch die damit verbundene Ankündigung eines Kindes, wird diese Aussage jedoch relativiert. Insbesondere bei einer Frau, die erstmals schwanger wird, würde diese Aussage auch schon bei einem Alter von über 55 Jahren zutreffen. Somit lässt sich aus dieser Stelle keine Altersgrenze für den Ruhestandsbeginn ableiten. Ich gehe davon aus, dass das Austrittsalter je nach Gesundheitszustand und Leistungsfähigkeit sowie nach vorhandenem Priesternachwuchs im Einzelfall unterschiedlich war, sich aber an der Altersgrenze für den Wehrdienst von 60 Jahren orientierte. Da die geringe Zahl der Priester im Vergleich zur Zahl der Wehrfähigen nicht ins Gewicht fällt, gehe ich bei den Priestern vereinfachend von einem durchschnittlichen Alter von 60 Jahren bei der Beendigung des aktiven Dienstes und einem Eintritt in den Priesterdienst mit 20 Jahren aus. Damit kann für die Hochrechnung auf die Anzahl aller männlichen Kinder und Erwachsenen in den Priesterfamilien derselbe Faktor wie bei den Wehrfähigen der zwölf Stämme angewendet werden. Auf Basis der vorstehenden Erkenntnisse über die Diensteinteilung der Priester können wir uns nun im nächsten Abschnitt den für den Tempeldienst eingeteilten Leviten zuwenden, deren Diensteinteilung sich an der der Priester orientierte.

  • 1 Die hebräische Wortfolge וַאֲחִימֶלֶךְ בֶּן־אֶבְיָתָר: (Wa ACHIMäLäKh BäN-ÄBhJaTaR) in 1Chr 24,6, die üblicherweise mit „Ahimelech, Sohn Abjatars“ übesetzt wird, muss ursprünglich die Bedeutung „Ahimelechs Sohn Abjatar“ gehabt haben. Der Bindestrich zwischen „Sohn” und „AChIMäLäKh” sowie die entsprechende Punktierung waren im ursprünglichen Konsonantentext jedenfalls nicht enthalten (detaillierte Begründung siehe 14.4.4.1 Fußnote 3).