Im Rahmen der Vorbereitungen für den Tempelbau mussten auch Leviten für den Tempeldienst eingeteilt werden. Da laut 1Chr 21,6 Joab die Leviten nicht gezählt hatte, musste ihre Zahl ebenfalls noch erhoben werden. Diese Zählung erfolgte etwas später, aber ebenfalls noch relativ zeitnah zur Seuche. Ich zitiere zunächst 1Chr 23,2-5:

Und er versammelte alle Obersten Israels und die Priester und die Leviten. 3 Und die Leviten wurden gezählt von dreißig Jahren an und darüber; und ihre Zahl war, Kopf für Kopf, an Männern 38 000. 4 ⟨Und David sagte:⟩ Von diesen sind 24 000 für die Aufsicht über die Arbeit am Haus des HERRN ⟨bestimmt,⟩ und 6 000 ⟨sollen⟩ Aufseher und Richter ⟨sein⟩ und 4 000 Torhüter und 4 000, die den HERRN loben mit den Instrumenten, die ich zum Loben gemacht habe.   

David versammelte neben allen Obersten Israels auch die Priester und Leviten an einem nicht genannten Ort, vermutlich an seinem Regierungssitz in Jerusalem, wo sich auch das Zelt mit der Bundeslade befand (2Sam 6,16-17). Denkbar wäre auch der Ort Gibeon im Stammesgebiet Benjamins, wo die Stiftshütte stand (1Chr 21,29). Diese Versammlung diente den Vorbereitungen für den Tempelbau sowie der Diensteinteilung der künftig im Tempel diensttuenden Priester und Leviten. Da sich das „alle“ nur auf die Obersten bezieht, kann davon ausgegangen werden, dass neben allen Sippenoberhäuptern Israels und damit auch den Oberhäuptern der Leviten nur diejenigen Priester und Leviten versammelt wurden, die bisher schon Dienst im Zelt mit der Bundeslade und in der Stiftshütte geleistet haben. Die schon bisher aktiv diensttuenden Priester und Leviten konnten die Anforderungen an die künftigen Diensttuenden definieren, und die Sippenoberhäupter der Leviten konnten die Anzahl und die Namen ihrer Sippenmitglieder nennen und für die einzelnen Dienstbereiche geeignete Männer aus ihrer Sippe vorschlagen. Eine Versammlung aller Leviten aus den ihnen zugeteilten 48 Städten im gesamten Siedlungsgebiet Israels (Jos 21,3-8+41) war dafür nicht notwendig. Die angegebenen Zahlen dürften sich demnach auf die für den Tempeldienst eingeteilten Leviten beziehen. Neben der hier genannten Anzahl wurden noch weitere Leviten gezählt, die andere Aufgaben hatten. Dazu zitiere ich 1Chr 26,30-32:

30 Von den Hebronitern waren Haschabja und seine Brüder, 1 700 tüchtige Männer, zur Aufsicht über Israel diesseits des Jordan nach Westen hin in allen Aufgaben für den HERRN und im Dienst des Königs ⟨eingesetzt⟩. – 31 Von den Hebronitern war Jerija das Oberhaupt – was die Hebroniter nach ihrer Generationenfolge und ihren Familien betrifft, so forschte man unter ihnen im vierzigsten Jahr der Königsherrschaft Davids, und es fanden sich unter ihnen angesehene Männer in Jaser in Gilead –, 32 und seine Brüder, 2 700 tüchtige Männer, waren Familienoberhäupter. Und der König David setzte sie über die Rubeniter und die Gaditer und den halben Stamm Manasse, für alle Angelegenheiten Gottes und für die Angelegenheiten des Königs.

Hier werden männliche Leviten erwähnt, die im gesamten Siedlungsgebiet Israels eingesetzt wurden, um „Aufgaben für den Herrn und im Dienst des Königs“ auszuführen. Die Zahlen werden getrennt für die Siedlungsgebiete westlich und östlich des Jordans angegeben. Es wird ausdrücklich erwähnt, dass die Einsetzung dieser Männer im 40. und somit letzten Regierungsjahr Davids erfolgte. Dies war das Jahr in dem David die oben erwähnte Versammlung aller Oberen Israels einberief, um sie darauf einzuschwören, Salomo beim Bau des Tempels zu unterstützen (1Chr 28,1-3+6). Diese Zahlen der Leviten wurden also zeitgleich mit den Zahlen der für den Tempeldienst eingeteilten Leviten erhoben. Die Volkszählung durch Joab (1Chr 21,1-6) dürfte mindestens ein Jahr vorher, noch vor der Zählung und Einsetzung der Tempelbauarbeiter, stattgefunden haben. Zwischen den beiden oben zitierten Stellen werden in 1Chr 23 bis 26 sehr viele Namen von Sippen der Leviten mit der Anzahl ihrer Angehörigen und ihren Aufgabengebieten genannt. Daraus kann geschlossen werden, dass nicht nur eine Zählung, sondern auch eine namentliche Registrierung erfolgte.  

Bei der Zählung und Registrierung der Leviten handelte es sich nicht mehr um einen Alleingang Davids, mit dem er unter Einsatz seiner Heeresmacht seinen Stolz befriedigen wollte, sondern um eine mit den Fürsten der Stämme abgestimmte Maßnahme, die dem Ziel des Tempelbaus diente. Es ist daher durchaus vorstellbar, dass die Fürsten der Stämme mit David übereinkamen, in diesem Zusammenhang auch die Zahl der bei der Seuche Umgekommenen zu zählen, die Zahlen der ersten Volkszählung zu aktualisieren und eine erstmalige Zählung der Benjaminiter durchzuführen. Neben der Zählung der Bauarbeiter haben wir hier also einen zweiten möglichen Anlass für eine Zählung der Seuchenopfer. Möglicherweise wurden mit der Durchführung dieser Zählung sogar die im Zitat genannten (1.700 + 2.700 =) 4.400 Leviten beauftragt, die dauerhaft im gesamten Siedlungsgebiet der Israeliten eingesetzt waren und auch „Aufgaben … im Dienst des Königs“ durchzuführen hatten. Somit ist es legitim anzunehmen, dass die übereinstimmenden Zahlen der Seuchenopfer in den beiden Berichten historisch zuverlässig sind. Allerdings ist noch zu klären, wie die ÄLäPh in der Zahl der Seuchenopfer zu bewerten sind. Diese Fragestellung behandle ich in Abschnitt ‎9.5.4. Eine entsprechende Untersuchung der in den obigen Zitaten genannten Zahlen der Leviten erfolgt in den Abschnitten ‎9.5.5ff. Zuvor gehe ich im nächsten Abschnitt jedoch der Frage nach, wie die unterschiedlichen Zahlen der Wehrfähigen in den beiden Berichten erklärt werden können.